Werksschließung Nexans Hannover

Statement zur angekündigten Werkschließung Nexans Hannover

04.03.2019 | Statement zur angekündigten Werkschließung von Nexans Hannover von Rolf Homeyer, ehemaliges langjähriges Mitglied des Betriebsrates, des Aufsichtsrates der kabelmetal electro GmbH und der Nexans Deutschland GmbH

Deutschland, Niedersachsen, Hannover, 28. 01. 2019: Die Belegschaft von Nexans Hannover protestiert mit der IG Metall und solidarischen Arbeiterinnen und Arbeitern benachbarter Hannoverscher Unternehmen gegen die geplante Schließung des Hannoverschen Werks.

Statement zur angekündigten Werkschließung von Nexans Hannover

von Rolf Homeyer

1.     Wirtschaftspolitische Sicht

Wie irrational und grotesk können Entscheidungen von Konzernleitungen sein und wie scheinheilig wirkt die öffentliche Begründung dieses Managements, im Konzern gebe es erhebliche Überkapazitäten in diesem Fertigungssegment. Was ist geschehen? Die Konzernleitung hat weltweit Kapazitäten aufgekauft und neue geschaffen. In der Zeit vor 2018 ist in dem Mittel- und Hochspannungskabelgeschäft gutes Geld (Netincom) verdient worden. In den vergangenen  Jahren ist das Werk in Hannover mit Investitionen in 2-stelliger Millionenhöhe technisch ausgestattet worden, um Spezialkabel einerseits zum Anschluss von Offshore-Windparks und andererseits die Hochspannungskabel für Südlink-Kabel und Südostlink-Kabel produzieren zu können. Bedingt durch die zögerliche Entscheidungsfreude der politisch Verantwortlichen hält sich auch der Netzbetreiber mit der Ausschreibung der Aufträge zurück. Parallel dazu verläuft an den Börsen ein erheblicher Kursverlust u. a. auch der Industriewerte. Der Nexanskonzern ist davon ebenfalls erheblich getroffen; innerhalb eines Jahres hat sich der Aktienkurs halbiert – das gefällt großen Anlegern nicht!

Es entsteht der Eindruck, als wolle das Management mit spektakulären Entscheidungen den Börsenkurs des Konzerns puschen. Aber dann ausgerechnet den Standort zu schließen, der für die anstehenden Großaufträgen Aussichten hat, an der Ausführung beteiligt zu sein, ist unternehmenspolitisch falsch. Zudem ist allgemein bekannt, dass Börsianer eher langfristig  denken, als auf kurzfristige Kursschwankungen  spontan zu reagieren.

Es bleibt zu hoffen, dass am Ende die Vernunft und damit unternehmerische Weitsicht obsiegt!

2.     Personalpolitische Konsequenz

Zunächst würden ca. 500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz und damit auch einen erheblichen Einkommensverlust erleiden. Für mehrere Beschäftigte wird dadurch die Finanzierung des Wohnungskaufs in Frage gestellt. Viele Beschäftigte im Produktionsbereich sind speziell für die Kabelproduktion ausgebildet oder qualifiziert worden. Eine vergleichbare Beschäftigung zu den tariflichen Bedingungen des IG Metall – Flächentarifvertrages wird kaum möglich sein. Die vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Althusmann geäußerte gute Arbeitsplatzsituation wird für viele wie eine Seifenblase zerplatzen. Für die höherqualifizierten Beschäftigten wird die Weiterbeschäftigung in anderen Betrieben der Region möglich sein, ob sie dabei jedoch ihr Einkommensniveau sichern können bleibt fraglich.

Hinzu kommt, dass mit der Umsetzung der Werkschließung ein weiterer Betrieb mit einer qualifizierten Berufsausbildung in der Metallindustrie der Region Hannover verloren geht. Über Jahrzehnte gehörte das Werk in Hannover zu den Betrieben mit einem ausgezeichnetem Stand der Berufsausbildung; egal ob in der kaufmännischen, der gewerblichen oder in den dualen Ausbildungsgängen.

Auch aus diesem Grunde bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung der Konzernleitung revidiert wird!

Verantwortlich:

Rolf Homeyer, Schuppertweg 6 F, 30179 Hannover; rolf.homeyer@gmx.de;

ehemaliges langjähriges Mitglied  des Betriebsrates, des Aufsichtsrates der kabelmetal electro GmbH und der Nexans Deutschland GmbH;

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