Tarifrunde Textil und Bekleidung

Warnstreik bei Hanno Werk in Laatzen-Gleidingen

22.03.2023 | Angebot der Arbeitgeber der Textilindustrie war einfach zu schlecht. Die Beschäftigten von Hanno Werk haben am 21.03.2023 für eine Stunde die Arbeit niedergelegt. „Wer diese Preise kennt, der fordert acht Prozent!“ rief Gewerkschaftssekretär Christian Anders-Busch den knapp 70 Streikenden zu. Sie unterstützten die Aussage mit Pfeifen und zustimmenden Rufen. Der Geschäftsführer solle beim Arbeitgeberverband die Erhöhung der Löhne und Gehälter sowie die Gelder für die weiteren Forderungen freigeben, ergänzte Anders-Busch.

Foto: IG Metall

Nach einer ergebnislosen dritten Tarifverhandlung in Kaarst (NRW) am vergangenen Mittwoch hat die IG Metall die Warnstreiks in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie verschärft um die Kompromissbereitschaft der Arbeitgeber zu erhöhen.

Verhandlungsführerin Miriam Bürger zeigte sich nach dem achtstündigen Treffen am vergangenen Mittwoch enttäuscht: „Die Arbeitgeber blockieren zentrale Themen der Beschäftigten. Sie verweigern insbesondere Geringverdienenden einen dauerhaften Inflationsausgleich. Und sie verwehren eine gute Altersteilzeit als Perspektive für einen würdevollen Übergang in die Altersrente.“

Nach einer ersten Aktions- und Warnstreikwelle mit über 13.500 Teilnehmer*innen will die Gewerkschaft jetzt den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. „Wer sich am Verhandlungstisch so bei Zukunftsthemen verweigert, ruft geradezu nach noch mehr Protest vor den Werkstoren. Den Fachkräftemangel bekämpft man nicht mit Renditenjagd, sondern vor allem mit mehr Respekt für die Beschäftigten“, sagte Bürger.

Die IG Metall fordert 8 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 12 Monate, mindestens aber einen monatlichen Sockelbetrag von 200 Euro. Darüber hinaus verlangt die Gewerkschaft eine Fortsetzung der tariflichen Altersteilzeitregelungen mit besseren Konditionen.

Der Arbeitgeberverband dagegen bietet neben einer „Inflationsausgleichsprämie“ lediglich eine dauerhafte Entgelterhöhung von 4,0 Prozent ab 01.10.2023 und 2,5 Prozent ab 01.10.2024 bei einer Laufzeit von 26 Monaten an. Die bestehende Altersteilzeitregelung wollen die Arbeitgeber nicht fortführen.

„Auf Basis eines solchen Vorschlags der Arbeitgeber können wir nicht zueinanderfinden. Die Beschäftigten wollen und brauchen mehr. Um zu zeigen, dass wir unsere Forderung ernst meinen, haben wir zum Warnstreik aufgerufen. Mal sehen, ob wir nochmal vor das Werkstor kommen müssen“, so Christian Anders-Busch, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Hannover.

In der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie arbeiten etwa 100.000 Beschäftigte. Die nächste, vierte Tarifverhandlung vereinbarten IG Metall und Arbeitgeber für den 31. März 2023.

 

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